Stammgeschichten

Borken und Rinden – die schönsten Stammgeschichten der Gehölze.
Quergestreift, längsgestreift, gefleckt, einfarbig, grob, einfach, hell, dunkel.
So unterschiedlich kann die Borke sein!

Im laublosen Zustand geben Gehölze den Blick auf ihre Stämme und somit auf die Borke frei. Hast du gewusst, dass jede Art ihre eigene Stammtextur hat? Quergestreift, längsgestreift, gefleckt, einfarbig, grob, flach, hell dunkel… Wenn du mal genau hinschaust, kannst du richtige Stammschönheiten entdecken!

Rinden und Borken

Wie war das noch gleich? Haben Nadelgehölze Borken und Laubgehölze Rinden? NEIN!
Sowohl Nadelgehölze als auch Laubgehölze haben Rinden und Borken.
Als Borke wird bei jedem Gehölz die äußerste Schicht des Stammes bezeichnet. Dabei ist egal, ob sie besonders grob oder eher glatt ist. Die Rinde ist ein Begriff für die äußeren beiden Schichten; also die Borke und den darunterliegenden Bast.

Borkenschönheiten – gute Bekannte

Eine Art die dir sicherlich sofort einfällt, wenn du einen „besonderen“ Stamm suchst, ist möglicherweise die Birke. Sie ist meist auffallend weiß und hebt sich dadurch von den üblichen braunen Borken ab. Aber schau, wie unterschiedlich innerhalb der Birken der Stamm ausgeprägt sein kann.
Die Betula utilis `Doorenbos´ bildet fast keine dunklen Stellen aus. Sie ist hauptsächlich hellgrau-weiß mit horizontalen Lentizellen (das sind Atmungsrisse). Diese Sorte ist ja schon ein Hingucker, aber noch auffallender und ein absoluter Liebling ist die Betula utilis ssp. Jaquemontii. Ihre Borke ist noch gleichmäßiger und noch heller. Besonders vor dunklen Hintergründen sticht das Weiß heraus.
Die Betula nigra hingegen hat keine weiße Borke und hebt sich dadurch eher weniger ab.

Camouflage – Wunschschöne Tarnversuche

Durch das Dickenwachstum ist ein Gehölz gezwungen immer wieder seine Borke zu erneuern. Die Borke ist nämlich nicht mehr zum Wachstum in der Lage und platzt ab, wenn der Stamm dicker wird. Da die älteren Borkenteile eine andere Farbe haben als neuere Borkenteile, ergeben sich interessante Farbkombinationen an einem Stamm.
Die Pinus sylvestris `Watereri´ beispielsweise hat einen wunderschön rötlichen Stamm. Die älteren Borkenteile werden zunehmend grau und heben die leuchtend roten Stellen in den Vordergrund.
Ein typisches Tarnkleid trägt der Hartriegel (Cornus kousa). Seine Borke kommt dem Camouflage sehr ähnlich.
Auch die Parrotia persica zeigt starke Farbkontraste an seiner Borke. Diese Panaschierung kann in der Pflanzenverwendung für spannende Hingucker besonders in der laublosen Jahreszeit genutzt werden.

Das Borkenkleid der Kirschen

Zierkirschen sind insbesondere an ihren auffallend horizontal gestreiften Stämmen zu erkennen. Mein Lieblingsstamm unter den Kirschen ist der der Prunus serrula. Die Borke schimmert dunkelrot und wirkt so sehr edel.
Die Borke der Prunus x yedoensis ist ebenfalls durch auffallende Lentizellen gezeichnet. Diese dunkleren Elemente heben die silber schimmernde Farbe des Stammes deutlich in den Vordergrund.
Etwas weniger auffallend ist die Borke der Prunus subhirtelle `Pendula´. Das warme braun wird nur durch die schwache Zeichnung der Lentizellen durchbrochen.

Geringelt und Beflügelt

Eine ganz andere Stammfarbe hat der Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyrifera). Seine Borke ist hellbraun bis dunkelbraun gestreift. Diese Färbung ist sowohl in laublosen aber auch in belaubten Zeiten ein Hingucker.
Der Liquidambar styraciflua (Amberbaum) überzeugt weniger durch seine Borkenfarbe noch durch die Beschaffenheit. Eher auffällig sind die Korkleisten an den Zweigen. Das ist sein typisches Erkennungsmerkmal und für Detailverliebte ein interessanter Anblick.

Versüße dir die kalten Wintertage und schau mal genau hin. Sicherlich entdeckst du in einem Garten noch viele weitere interessante Stammgeschichten.

Blumige Grüße

TIPP:
Ziergräser zurückschneiden
Es ist so weit! Wenn im Februar die ersten Frühblüher ihre Köpfe aus der Erde strecken, werden die vertrockneten Ziergräser zurück geschnitten. So kommen die Geophyten besser zur Geltung und erstes Grün der Gräser kann ungestört wachsen.
Ziergräser schneiden

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20.02.2022, Janina Haupt

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