Schotterstrophe

Schottergärten Teil 1/2

Hallo Ihr Lieben,

es bahnt sich ein neuer Trend an, von dem sich sehr viel erhofft wird:
„Schottergärten sind pflegeleicht, immerschön und kostengünstig.“

Vorab einmal: Ich bin kein Gegner von Schottergärten – wenn sie denn richtig angelegt werden.
Es gibt aber einige Gedanken, die ich Euch mit auf euren steinigen Weg geben möchte, wenn ihr plant einen Schottergarten (im Sinne des aufkeimenden Trends – wobei hier eigentlich nichts keimt) anzulegen, oder gar schon einen solchen „Garten“ habt.

Schottergärten im gängigen Sinn zeigen eine gleichmäßige und einheitliche Kiesfläche, die ab und an Platz für ein verkümmertes Pflänzchen bietet. Manchmal sind sehr kreative Menschen am Werk und gestalten die Kiesfläche mit unterschiedlichen Kiesfarben. In den ersten Monaten sieht der Vordergarten aus wie aus dem Katalog, aber spätestens wenn der Herbst kommt und die Fläche von nassem, braunen Laub verdeckt ist, wird die Fläche herzlich unansehnlich. Einen großen „Respekt“ an diejenigen, die sich dann bemühen in langwieriger Kleinstarbeit die Blätter vom Kies zu trennen. Andere warten auf einen trockenen Tag um die Blätter mit elektrischer Unterstützung und mit einem Höllenlärm von der Fläche zu pusten. Das jedoch ist gar nicht im Sinne des Öko-Gedankens und umweltfreundlich ebenso wenig.

Apropos Öko und Umwelt: Das mit den Bienchen und Blümchen kennt ihr sicherlich alle. Aber wo keine Blümchen sind, sind auch keine Bienchen. Schotterflächen, nur spärlich bepflanzt oder gar unbepflanzt, bieten im Grunde für niemanden einen Lebensraum. Einzelne Kübel mit Bambus oder nicht blühende Formschnittbäumchen locken weder Insekten noch Vögel an. Kleinsäuger finden keinen Unterschlupf auf der ebenen Fläche und Reptilien, von denen man meint sie fühlen sich wohl auf warmen Steinen in der vollen Sonne, sind auch nicht gerade überzeugt von derart monotonen Flächen. Teilweise werden zur Bekämpfung ungebetener Pflanzen noch Pestizide eingesetzt um die Fläche unkrautfrei zu halten. Das verhindert dann endgültig jegliches Leben auf dieser Schotterfläche.

Nicht zuletzt würde das Leben von der großen Hitze auf diesen Flächen vertrieben. Durch Sonneneinstrahlung heizen sich die Steine auf und diese strahlen wiederum Wärme ab. Die Pflanzen, die das Glück hatten diese Fläche zu zieren, haben keine Chance bei der Hitzestrahlung zu überleben; selbst bei ausreichend Wasser nicht, denn obgleich hier ein Steingarten angelegt wurde, werden zu 100% keine Steingarten- oder gar Wüstenpflanzen verwendet. Die Pflanzen müssen also erneuert werden.
Theoretisch kühlen Pflanzen die Luft und bilden ihr eigenes Mikroklima. Außerdem können Pflanzen Staub und Stickstoffdioxid aus der Luft filtern. Durch fehlende Bepflanzung reichern sich jedoch Staub und Schadstoffe in der Luft an. Der Klimawandel wird mit offenen Armen in die Schottergärten eingeladen.

Na aber immerhin kostet so eine Fläche nichts, oder doch?
Kies ist teuer! Ein paar hundert Euro kann man schon je Tonne investieren. Für die Schichtdicke sollte man etwa 5-10 cm Kies auftragen (je nach Kiesgröße). Multipliziert mit der Flächengröße ergibt das eine stolze Summe. Hinzu kommt die Anlage des Beetes. Sprich: Vorhandenes entfernen, Fläche auskoffern, verdichten, Randbegrenzungen herstellen, Flies ausbringen, Kies auftragen und unter Umständen die 2-3 Pflanzen einsetzen.
Dann kann der Kies mit der Zeit Moos ansetzen. Das bedeutet, dass alle 3-10 Jahre der Kies abgetragen und gewaschen werden muss. Bei der Gelegenheit sollte auch das Flies erneuert werden.

Damit hätten wir auch schon den Punkt „Pflegeleicht“ analysiert. Neben dem Laub entfernen und dem regelmäßigen Erneuern der gesamten Fläche, kommt außerdem auch auf diesen Flächen das „Unkraut-zupfen“ hinzu. Trotz Flies und Kies und Pestiziden sind Schotterflächen nicht vor Wildwuchs sicher. Nicht zuletzt haben wir nach Regenereignissen dann auch noch Ärger mit Überschwemmungen. Dank der Verdichtung unter dem Kies nimmt der Boden nur sehr langsam und dann auch nur sehr wenig Wasser auf. Statt der Grundwassererneuerung entgegen zu kommen, sehen wir lieber zu, wie das Wasser Dreck und Schmutz von den Straßen in den nächsten Bachlauf schwämmt, oder aber in den nächsten Keller.

Beachtet außerdem, dass Schotterflächen in einigen Regionen als versiegelte Fläche zählen und gegebenenfalls zusätzliche Kosten für das Einleiten von Regenwasser in die Kanalisation anfallen.

Ihr seht, ich bin nicht sehr überzeugt von diesem Konzept.

Mit diesen Worten entlasse ich Euch in die wohlverdiente Pause. In zwei Wochen hören wir uns wieder; dann aber mit den richtigen Schottergärten!

Bis dahin

TIPP:
Ziersträuße
Blumensträuße als kleines und liebevolles Mitbringsel erfreuen sowohl den Beschenkten als auch denjenigen, der ihn verschenkt. Noch schöner als ein gekaufter Strauß sind die selbstgepflückten. Der Ziergarten hat im Hochsommer einiges an Schnittblumen zu bieten.

____________________________
23.08.2020, Janina Wagner

2 Gedanken zu „Schotterstrophe

  1. ViMei Antworten

    Das sind gute Argumente gegen einen Schottergarten, obwohl das Bild mit dem zweifarbigen Steinen schon künstlerisch aussieht.

    Was macht denn deiner Meinung einen „richtig angelegten“ Schottergarten aus?

    • Janina Wagner Autor des BeitragsAntworten

      Liebe ViMei,
      da hast du Recht. Mit den zweifarbigen Steinen wurde etwas sehr kreatives umgesetzt. Nach ein paar Monaten oder spätestens nach dem ersten Laubhaken wird sich aber auch das langsam aber sicher vermischen 😛
      Was ein „richtiger Schottergarten“ ist, werde ich im nächsten Beitrag erzählen. Du musst dich noch zwei Wochen gedulden.
      Viele Grüße

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