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Rezept für eine gute Pflanzplanung

Lass mich dir eine kleine Geschichte erzählen und dir zeigen, was die Pflanzplanung mit einer guten italienischen Spaghetti Bolognese zu tun hat. Das klingt erstmal etwas abstrakt – ich weiß. Aber ich verspreche dir, am Ende des Artikels mach alles Sinn und du wirst in der Lage sein ein ganzjähriges attraktives und funktionierendes Pflanzkonzept „nachzukochen“.

Das Rezept für eine gute Pflanzplanung

Du möchtest diesmal die Pflanzplanung so richtig gut machen, hast schon diverse Ansätze ausprobiert und warst doch nie so richtig zufrieden? Heute zeige ich dir einen neuen Weg, um auf ein leeres Papier ein tolles Pflanzkonzept zu zaubern.

Nehmen wir dazu folgenden Vergleich:

Du hast dich mit guten Freunden zum Essen verabredet. Die erste Frage, die du dir stellst ist: Gehen wir essen oder kochen wir selber?
Damit steckst du den Rahmen und die Umgebung deines Festmahls ab. Lässt du dich fein in einem Sternelokal bekochen oder veranstaltest du zu Hause mit wenig oder viel Aufwand einen netten Abend? Wer wird alles dabei sein? Wie viel Platz braucht ihr? Wenn ihr in ein Restaurant geht: Was ist das für ein Restaurant? Wie sieht die Speisekarte aus? Sitzen wir draußen oder drinnen? Welche Menschen besuchen das Lokal noch? Fühlen wir uns dann dort wohl?
Es ist wichtig, dass du dir über die Rahmenbedingungen klar wirst und weißt worauf du dich einlässt, damit das alles hinterher keine Enttäuschung wird.

Und genau das ist auch die erste Frage, die du dir bei der Pflanzplanung stellen solltest. Wo findet das künftige Blütenspektakel statt, wer soll es sich ansehen und wie viel Platz bietet das Beet? Wenn du für Pflanzen einen Standort auswählst solltest du dich auch über den Raum in den du sie pflanzen möchtest informieren. Wie sind die Standortbedingungen? Welcher Boden ist vorhanden? Wie sieht es ringsherum aus und wer wächst sonst so auf der Fläche?

Mit deinen Freunden hast du dich nun entschieden selbst zu kochen und in der gewohnten heimischen Umgebung zu bleiben. Aber was kochst du?

Italienisch, griechisch oder Schnell-Imbiss – Pflanzplanung ist wie kochen

Was kochen wir? Pizza oder Pasta also italienisch oder typisch griechisches Gyros? Doch lieber chinesisch mit einem vielfältigen Wok oder was Einfaches und gut Bürgerliches?

Das ist der zweite Schritt im Rezept einer guten Pflanzplanung. Mit dieser Frage grenzt du die Auswahl aller möglicher Gerichte bereits auf ein konkretes Spektrum zusammen.

Sagen wir, es soll Italienisch werden. Damit kann man eigentlich nichts falsch machen.

Übertragen auf die Pflanzplanung bedeutet diese Auswahl, dass du den Stil, den Charakter, die Aussage der Pflanzung absteckst: Steppenbeet, Heidebeet, Schmuckstaudenbeet, Waldrandcharakter, Wasserrandpflanzung, … Oder du setzt thematische Schwerpunkte wie: Sonnenuntergangsromatik, Ton in Ton, Illusionisten, …

Alles, was deiner Pflanzung ein Thema gibt kann hier gewählt werden. In diesem Beispiel wählen wir die Sonnenuntergangsromantik.

Zutaten für eine gute Pflanzplanung

Italienische Gerichte können sehr gut von Anfängern gekocht werden. In abgespeckter Form sind diese Gerichte sozusagen völlig anspruchslos was ihren Koch betrifft. Wir könnten aber auch ein kulinarisches Meisterwerk kochen. Da müssten die Ausgangsbedingungen etwas anders sein. Beispielsweise möchtest du eine Spaghetti Bolognese kochen. Grundsätzlich braucht es dazu nur ein paar Nudeln und rote Soße. Davon wirst du satt, aber deine Freunde werden sicherlich anmerken, dass das doch kein „schickes Abendessen“ war.
Ein schickes Abendessen beinhaltet also Aperitif, Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch, eventuell noch ein Digestif.

Übersetzt in die Sprache der Pflanzenverwendung bedeutet es, dass wir entweder eine Fläche mit ein paar langweiligen Immergrünen bestücken können (die einfache rote Soße). Oder wir denken mehrschichtig und planen in den Jahreszeiten: Der Aperitif wäre unser Vorfrühling. Die Vorspeise ist der Frühling, das Hauptgericht der Sommer, der Nachtisch ist unser Herbst und der Digestif steht sinnbildlich für den Winter. So setzt sich dann das Rezept einer guten Pflanzplanung in den Jahreszeiten zusammen.

Das 3-Gänge-Menü für eine gute Pflanzplanung

Ich plane übrigens sehr gerne mit dem Vergleich eines 3-Gänge-Menüs. Wenn du magst plane ich auch deinen Garten. Lass mich gerne wissen, welches dein Lieblingsgericht ist. Darauf aufbauend entwerfe ich für dich deinen Wohlfühlgarten!

Aperitif für eine gute Pflanzplanung

Für unseren italienischen Abend könnten wir Wein, Prosecco oder Bellini als Aperitif servieren. Je nach Vorlieben unserer Gäste.
Unser Beet möchte ebenso zuvorkommend begrüßt werden und verlangt nach ein paar sehr frühen Frühjahrsblühern. Beispielsweise im Februar blühende Gehölze oder Geophyten. Passend zum Thema der Sonnenuntergangsromantik und je nach Standort eignet sich eine gelb blühende Zaubernuss (Hamamelis) oder der gelb blühende Krokus (Crocus vernus). Es ist ein Auftakt in eine verheißungsvolle Saison (oder bei unserem Dinner eben ein Auftakt in einen tollen Abend).

Vorspeise für eine gute Pflanzplanung

Eine klassisch italienische Vorspeise für Spaghetti Bolognese ist Bruschetta. Es besteht aus einem knusprigen Baguette belegt mit Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und ein wenig Kräutern oben drauf.

Die Vorspeise von unserer Pflanzung bereitet uns ebenso auf die Hauptsaison vor. Es wird fülliger im Beet, unser Hunger (auf den Sommer) kommt richtig durch und so langsam löst sich die leere im Beet (ebenso wie sich die Leere im Magen mit der Vorspeise langsam füllt).

Während dieser Speise kannst du als Koch bereits zeigen, wie gut du die einzelnen Zutaten aufeinander abgestimmt hast und mit welchem Detailgrad du das Bruschetta zubereitest. Wie groß ist die Baguette-Scheibe? Wieviele Tomaten und Zwiebeln gibt es? Wie groß sind diese geschnitten? Wieviele und welche Kräuter kommen zum Einsatz? Ist der Teller gut gefüllt?

Das Pflanzkonzept im Frühjahr kann genau so durchdacht werden. Es soll Lust machen auf das, was uns zur Hauptsaison erwartet und bereits zeigen welche Idee hinter der ganzen Sache steckt.
Es muss nicht das gesamte Beet mit Geophyten vollgestopft werden. Wir wollen uns ja noch nicht an der „Vorspeise“ sattsehen. Andererseits ist eine einzelne Narzisse, die vor sich hin blüht sicherlich etwas wenig. Auch kommt es auf das Zusammenspiel der verwendeten Pflanzen an. Harmonieren die einzelnen „Zutaten“ miteinander? Welche Größenunterschiede bereichern den Frühling? Wie detailliert wurde auf Farben und Formen geachtet?

Und vor allem sollten sich zu dieser Saison bereits Teile des Sommers wiederfinden.

Die Tomatensoße der Spaghetti Bolognese findet ihren Vorgeschmack in den Tomaten des Bruschettas, in Zwiebeln und Knoblauch. Nur eben anders zubereitet. Unser Beet mit der Sonnenuntergangsromantik spiegelt bereits im Frühjahr das Farbspektrum des Sommers wieder.

Hauptgericht für eine gute Pflanzplanung

Nun geht’s in die Vollen! Ich bin mir sicher, dass du schon mal eine legendäre Spaghetti Bolognese gekocht oder zumindest gegessen hast.
Hier brauche ich dir also nicht mehr vorschwärmen was der Clou dahinter ist.
Klar ist, dass es ein Zusammenspiel aus Basiskomponenten (vor allem Nudeln, Tomaten und Hack) und Zusatzelementen (Paprika, Mais, Zwiebeln und Knoblauch) sowie Details, die die Sache bereichern und abrunden (Kräuter) ist.

Übertragen auf das Rezept für eine gute Pflanzplanung bedeutet das folgendes:

Basiskomponente

Auch in der Pflanzung gibt es „Basiskomponenten“. Das sind Pflanzen, die die Hauptrollen im Beet einnehmen, hervorstechen und besonders charakterstark durch das Beet leiten. Es sind dominante Pflanzen mit außergewöhnlichen Merkmalen und meist die größten Pflanzen im Beet. Es können Pflanzen mit besonderen und langanhaltenden Blüten oder dominanten Wuchsformen sein. Diese Pflanzen sind wiederkehrend im Beet angeordnet und geben dem Betrachtenden eine solide Basis. Sie fallen zuerst ins Auge und geben Rhythmik und Konstanz. Sie sind außerdem sehr ausdauernd. Entweder, weil sie im Winter gar nicht erst verschwinden oder bereits früh austreiben und lange (bis zum Herbst) ihrer Rolle gerecht werden.

Zusatzelemente

„Zusatzelemente“ einer guten Pflanzplanung sind Pflanzen, die sehr gut mit den Hauptdarstellern im Beet harmonieren. Das können sie auf eine unterstützende oder eine kontrastierende Art. Die Anzahl der Arten, die wir als Zusatzelemente einsetzen, ist größer als die Anzahl der Basiselementen. Oft sind sie etwas kleiner, unscheinbarer (weswegen wir sie in größeren Gruppen pflanzen) oder nur kurzzeitige Blickpunkte. Sie betonen die Idee der Pflanzung und bringen Vielfalt und Variation mit. Sie sind das, was die langweilige rote Soße aufpeppt und ihr einen eigenen Geschmack gibt.

Details

Um unsere Spaghetti Bolognese abzurunden und ihr das gewisse Etwas zu verleihen kommen Kräuter mit in die Soße. Die Kräuter können wir in unser Beet mit kleinen i-Tüpfelchen vergleichen. Das müssen keine Kräuter im botanischen Sinn sein. Wir setzen zwischen die Basis- und Zusatzelemente Pflanzen, die mit ein paar kleinen Highlights herausstechen. Sie spielen sich auf keinen Fall in den Vordergrund, aber ohne ihnen fehlt ganz offensichtlich etwas. Eine Tomatensoße ohne Kräuter schmeckt fad und einseitig. Ein Beet ohne kleine Details ist schnell erfasst und unspektakulär. Geben wir in unsere Pflanzung also beispielsweise Einjährige, die sich selbst versamen und Jahr für Jahr an unterschiedlichen Stellen wieder auftauchen. Oder wir integrieren Lückenfüller, die äußerst unscheinbar sind, aber ohne ihnen kahler Boden zu sehen wäre. Diese Details in einer Pflanzung runden die ganze Sache ab.

Nicht zu vergessen ist neben dem vielen Essen auch das passende Getränk: Ein edler Wein oder das Lieblingsgetränk aus der Kindheit? Hier darf jeder selbst wählen, was am besten zum Hauptgericht passt.
Auch in unserem Beet sollten wir einen oder zwei fließende Begleiter wählen. Nutze Pflanzgruppen, die sich wie eine Basis durch das Beet ziehen, um doch mal auftretende Lücken im Beet gekonnt zu füllen.

Nachtisch für eine gute Pflanzplanung

Du ahnst sicher, was jetzt kommt.
Dein Dinner neigt sich dem Ende zu. Du und deine Freunde seid pappsatt und habt ordentlich schlemmen können. Wie wäre es nun mit einem kleinen süßen Nachgang? Eine kleine Portion Tiramisu, um die feinen Sinne auszukosten. Zubereitungsarten für ein gutes Tiramisu gibt es reichlich und genau so einen eigenen Stil kannst du für dein Herbstbeet gestalten.
Wichtig für den Herbst zu wissen ist, welche Pflanzen aus dem Sommer noch im Herbst mitmischen.
Frag dich, welcher Geschmack dir nach der Spaghetti Bolognese noch am ehesten im Gedächtnis bleibt. Dieser Geschmack begleitet dich auch während des Nachtisches.
Im Herbst braucht es kein berauschendes Blütenspektakel. Schließlich sind wir noch damit beschäftigt den Sommerrausch zu verdauen. Aber der Herbst für sich soll ebenfalls im Gedächtnis bleiben. Es gibt Pflanzen, die mit spektakulären Herbstfärbungen auftrumpfen. Die sollten unbedingt im Fokus unseres Nachgangs stehen. Aber auch diese brauchen Begleiter. Als Begleiter eignen sich Gräser (sie haben im Herbst ohnehin ihren Höhepunkt) oder strukturstabile Sommerstauden. Auch rücken nun die Basiselemente aus dem Sommer stärker in den Fokus. Immergrüne Blattstrukturen geben dem Herbst einen Hintergrund und vereinzelt blühende Herbstblumen erinnern an den Geschmack des Sommers.

Digestiv einer guten Pflanzplanung

Wow war das ein Abend! Nun ist aber wirklich kein Platz mehr im Magen. Wie wäre es dann mit einem verdauungsfördernden Digestiv?
Ein Digestiv ist in der Pflanzenverwendung mit einem verdauungsfreundlichen Winter zu vergleichen. Das Jahr soll schließlich keinen negativen Nachgeschmack hinterlassen sondern eher wieder Lust auf die nächste Saison machen. Der Winter ist eine Zeit, in der wir die Leckereien des Jahres genüsslich in Erinnerung behalten. Während der ersten Winterhälfte können wir noch Überbleibsel der Saison entdecken. Eingetrocknete Samenstände, Gräser, freiliegende Wuchsformen und gelegentlich eine mit Frost überzuckerte Blatttextur. Während der zweiten Winterhälfte merken wir schon langsam wieder, wie der volle Bauch leerer wird und der Appetit auf die neue Saison steigt. Wir halten unsere Ungeduld mit Winterschönheiten im Zaum und fragen uns sinngemäß, ob das nächste Festmahl nicht wieder bei uns stattfinden soll.

Und die Planung für die nächste Saison geht los. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.

Das Drumherum

Ein gutes Abendessen mit Freunden will gut geplant sein. Dazu gehört, dass du dir überlegst was gegessen und getrunken werden soll, die Rezepte rauslegst und alles schließlich auch einkaufst. Dann braucht es aber auch einen Tisch, Stühle, Teller und Besteck. Je nach Anlass: Tischdecken, eine Kerze, vielleicht begleitende Musik und Tischdekoration.
Klar, du kannst Nudeln und eine einfache rote Soße zwischen dem „Koch-Chaos“ auf dem Küchentisch servieren oder eben das legendäre 3-Gänge-Menü an einer festlich gedeckten Tafel. Auf den Rahmen kommt es an.

Unserem Pflanzkonzept geht es ähnlich. Sicherlich kommt es in erster Linie auf die Komposition der Pflanzen im Zusammenspiel und im Jahresverlauf an. Der Rahmen drumherum kann die Idee jedoch zusätzlich untermahlen. Dabei geht es um Einfassungen, um den Hintergrund (beispielsweise eine Hecke), um die Weite oder Enge des Raums in dem das Beet liegt, der Zustand der Flächen drumherum oder die Stimmung und Erwartung mit denen die Gäste das Beet besuchen kommen.

Rezept für eine gute Pflanzplanung

Eine Pflanzung mehrschichtig und in den Jahreszeiten zu denken schafft ganzjährig Attraktivität. Dieser Vergleich ist ein abstrakter Weg die Pflanzplanung neu zu denken und hier und da mehr Vielfalt und Varianz in unsere Gärten zu bringen.
Bist du der einfachen roten Soße nicht auch langsam überdrüssig?
Sicher, das 3-Gänge-Menü ist aufwendiger, aber es hat Charakter, Tiefgang, eine eigene Identität und es bleibt im Gedächtnis. Diese Beete machen dich satt. Sie füllen deinen Gartenmagen. An ihnen kannst du dir richtig Winterspeck anfuttern und den Winter über daran zehren. So wird der Winter kürzer und erträglicher.

Guten Appetit und grüne Grüße

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22.10.2023, Janina Haupt

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