Mistel

Der zweite Sonntag im Advent ist angebrochen und ich hoffe Ihr habt schon Euren Punsch warm gemacht und Euch in Eure warmen Decken gehüllt, denn hier kommt der zweite Teil des Adventssonntag-Spezial-Blogs.

Heute mit einer Pflanze, die so viele Sagen und Mythen umgiebt, wie keine andere: Die Mistel.

…Die griechische Mythologie spricht von der Mistel als „goldene Zauberrute“ mit Hilfe derer Äneas in die Unterwelt gelang…
…Die altnordische Edda-Sage beschreibt die Mistel als kein richtiges Erdwesen…
…Für die Hohepriester in Gallien und Britannien war die Mistel die Allerheiligste der Pflanzen…
…Im Christentum stammt das Kreuz von einem Baum, der voller Misteln hing…
…Als Symbol des Friedens küssten sich Feinde unter einer Mistel…
…Paaren soll es Glück bringen, wenn diese sich unter einer Mistel küssen…
…Das Paar soll dann auch im nächsten Jahr heiraten…
…Da Misteln den Boden nicht berühren, werden sie als unschuldige Pflanzen angesehen…
…Und und und…

Je nachdem ob ihr daran glaubt oder auch nicht, möchte ich euch ein paar bewiesene Fakten über die Mistel erzählen.

Der allgemein bekannte Mistelzweig, als typisches Weihnachtsgrün, ist ein Held der Täuschung. Uns Weihnachtsliebende gaukelt er Glück und Liebe vor. Dabei gibt es eine Reihe an Bäumen, die es gar nicht so gern haben, wenn die Mistel auftaucht. Denn die Mistel macht sie zu ihrem Wirt.

Die Mistel ist ein Epiphyt; eine Aufsitzerpflanze. Oder einfach gesagt ein Halbparasit bzw. eine Schmarotzerpflanze.
Sie ist dazu in der Lage, Flüssigkeiten aus der Wirtspflanze zu ziehen und so an benötigte Nährstoffe zu gelangen. Mithilfe von Senkerwurzeln dringt sie durch die Rinde und Borke des Wirts und zapft das sogenannte Xylem an. Das sind die Leiterbahnen des Wirts, die die Nährstoffe und das Wasser transportieren. Photosynthese betreiben die Misteln selber. (Daher sind die Misteln grün und nur Halbparasiten, keine Vollparasiten.)
Man mag denken, dass Misteln den Wirt töten, wenn sie ihm Nährstoffe entziehen. Aber frei nach dem Motto: Säge nicht an dem Ast auf dem du sitzt, überlebt der Wirt den Befall, wird aber geschwächt.
Daher versuchen die Gehölze sich vor den Misteln, mithilfe von kleinen Wucherungen oder bei Kiefern Harzbildung, zu wehren.
Dies tun sie jedoch nicht aktiv. Da Pflanzen nicht handeln können, ist es eine passive Abwehrreaktion auf den Eindringling, um sich selber zu schützen.

Je nach Unterart der Mistel-Familie befallen sie unterschiedliche Gehölze.
Unter Anderem die Viscum album subspezies album (gewöhnliche / weißbeerige Mistel). Sie befällt hauptsächlich Laubgehölze und wird daher auch als Laubholz-Mistel bezeichnet.
Viscum album subsp. abietis nennt sich im deutschen Tannen-Mistel und ist, wie der Name sagt, vorrangig auf Tannen zu finden.
Viscum album subsp. laxum ist die Kiefern-Mistel und befällt Kiefern.
In der Regel werden aber nur Bäume befallen, die mindestens 20 Jahre alt sind.

Wenn Ihr eine dieser Misteln (vielleicht als Glücksbringer) in Eurem Garten haben möchtet, könnt ihr versuchen die Früchte einer Mistel auf einem Eurer Gehölze zu verteilen. Beispielsweise in den Spalten der Rinde oder in Astgabelungen. Achtet dabei aber darauf, dass ihr den Samen (in der Frucht) passend zu Eurem Baum auswählt. Die Viscum album subsp. album wird sich auf einer Tanne oder Kiefer nicht wohl fühlen. Erkennen kann man die Art bei Fruchtreife ab dem Spätherbst.
Eine andere Methode die Mistel zu vermehren ist vegetativ über abgeschnittene oder abgebrochene Adventivsprossen. Misteln bestehen aus teilungsfähigem Gewebe, daher kann jedes beliebige Stück der Pflanze zur Vermehrung genutzt werden.

In der freien Natur verbreiten sich die Misteln mit Hilfe der Vögel, die die Beeren essen und den Samen wieder ausscheiden. Der Name Mistel leitet sich daher auch von dem Wort Mist ab.
Weitere Bezeichnungen für die Mistel sind: Donarbesen, Drudenfuß, Gespensterrute, Hexenbesen, Leimmistel, Marenzacken, Vogelmistel.

Die Mistel ist ein immergrüner Strauch, der kugelig wächst und einen Durchmesser von einem Meter erreichen kann. Allerdings wachsen sie nur sehr langsam und sind ohne ihren Wirt nicht lange überlebensfähig. Ein auf dem Weihnachtsmarkt gekaufter Mistelzweit ist daher grundsätzlich wie ein Blumenstrauß zu betrachten.

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09.12.2018, Janina Wagner

Ein Gedanke zu „Mistel

  1. ViMei Antworten

    Da hat die Mistel die Bedeutung des Friedens und der Liebe und dann zapft sie unschuldige Gehölze an… Nicht sehr friedlich und lieblich… 😉 aber zumindest lässt sie die Bäume am Leben. Das erinnert mich an so manche Ehe! Dann passt die Bedeutung also doch zur Überlebensstrategie der Mistel 😀
    Fröhlichen zweiten Advent!

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