Chili

Hallo Ihr Lieben,

diesen Artikel widme ich einem begeisterten Leser, der im vergangenen Herbst eine Chilipflanze geschenkt bekommen hat und nicht wusste was er damit anstellen sollte.
Er hat sich über das Kontaktformular an mich gewandt und nun möchte ich ihm seine Fragen beantworten.

Die Chili ist ein Synonym zur Peperoni und botanisch gesehen das Gleiche wie die Gemüsepaprika. Je nach Sorte haben all diese Gewächse ein schärferes oder milderes Aroma, bilden größere oder kleinere Früchte aus und sind in verschiedensten Farben erhältlich. Die meisten im Handel erhältlichen Chili-Sorten sind Zuchtformen vom Spanischen Pfeffer (Capsicum annuum).

Die Früchte sind reif, sobald sie ihre finale Färbung annehmen. Viele Sorten reifen von grün über gelb nach rot hin aus. Je länger man sie ausreifen lässt, desto süßer werden die Früchte. Der Schärfegehalt hingegen nimmt nicht weiter zu.

Die Schärfe entsteht durch den Stoff Capsaicin in den Scheidewänden der Chili. Dieser Stoff reizt die Nervenverbindungen im Mund, die normalerweise vor Verbrennungen warnen. Capsaicin löst somit keine Geschmacksempfindung aus sondern einen Schmerzreiz. Bei besonders scharfen Sorten breitet sich dieser Stoffe in der gesamten Frucht aus; einzelne Teile zu entfernen bringt zur Milderung insofern nichts. Der Schärfegrad wird übrigens anhand der Scoville-Skala gemessen. Die milde Gemüsepaprika hat 0 Scoville-Einheiten, sogenannte Peperoni haben 300 bis 500 Scoville-Einheiten und Jalapeno-Chili bis zu 8000 Scoville-Einheiten. Reines Capsaicin hat 15 Millionen Scoville-Einheiten und ist nur mithilfe chemischer Konzentration herzustellen. Oberhalb der 1 Million Scoville-Einheiten spielt es für uns Menschen jedoch keine Rolle mehr, wie viel höher der Wert liegt. Der menschliche Körper ist darüber hinaus nicht in der Lage die Schärfe zu unterscheiden. Allgemein ist es aber auch persönliches Ermessen wie scharf die Schärfe nun tatsächlich schmeckt.

Reife Früchte können geerntet und direkt verzehrt werden. Sie sind nicht besonders lagerfähig; auch nicht im Kühlschrank. Für eine langfristige Verwendung können Chilis getrocknet werden. Dies gelingt, indem den geernteten Früchten (bei Bedarf längs aufgeschnitten) für einige Stunden bei 40°C im Backofen bei leicht geöffneter Klappe die Feuchtigkeit entzogen wird. Die Trocknung in einem Dörrgerät funktioniert natürlich auch. Die Früchte sind restlos getrocknet, wenn sie sich einfach zerbröseln lassen. Anschließend können sie geschnitten oder pulverisiert werden.
Wie alle Gewürze sollten die getrockneten Früchte dann dunkel und trocken gelagert werden.

Eine Alternative, die Früchte ohne elektrische Geräte, zu trocknen, ist, sie an der Luft trocknen zu lassen. Dazu werden die einzelnen Früchte an einem Bindfaden aufgehängt. Typisch hierfür sind die mexikanischen Chili-Ristras.
Dieser Prozess ist mit etwa 3 bis 6 Wochen Trocknungsdauer deutlich langwieriger. Dünnwandige Sorten, beispielsweise `Aji Amarillo´, `Cayenne´, `Chiltepin´, `Dutch Red´, `Fatalii Brown´, `Mellow Star´,  `Red Rocket´, `Thai Dragon´ oder `Tabasco´ benötigen weniger Zeit um vollständig durchzutrocknen als fleischige Sorten.
Eher ungeeignet für die Lufttrocknung sind diese Sorten: `Apple Sweet Pimiento´, `Caribbean Red´, `Cherry Bomb´, `Early Jalapeno´, `Festival´, `Habanero´, `Rio Grande´, `Poblano´, `Paprika Supreme´, `Bhut Jolokia´, `Santa Fe Grande´, `Scotch Bonnet´, `Tiburon´.
Wichtig bei diesem Prozess sind die Umgebungsbedingungen; idealerweise ist es mäßig warm und nicht in der direkten Sonneneinstrahlung. Vor allem aber sollten die Früchte luftig und trocken hängen um dem Schimmelbefall vorzubeugen.

Die Aussaat ist die gängigste Methode zur Vermehrung der Pflanzen. Es hat sich bewährt sie im Haus vorzuziehen und später erst ins Freiland zu setzen. Bei der Aussaat werden zwei bis drei Samen pro Anzuchttöpfchen gesät, mit etwas Erde bedeckt und an einem hellen, warmen Ort (20-25°C) aufgestellt. Die Keimung dauert in etwa 2 Wochen, danach sollten die Temperaturen etwas heruntergefahren und das Licht erhöht werden. Nach weiteren zwei Wochen können die Pflänzchen pikiert und dabei tiefer in größere Töpfe gesetzt werden. Nach den letzten Frösten können die Pflanzen nach draußen. Die Erde sollte stets feucht gehalten werden.

Nur wenige wissen, dass die Pflanzen der Gattung Capsicum mehrjährig sind. Da die Aufzucht aus Samen sehr einfach gelingt, werden diese Pflanzen in unseren Breitengraden als einjährige Pflanzen kultiviert. Tatsächlich aber können Chili- / Peperoni- / Paprikapflanzen frostfrei überwintert werden. Im zweiten Kulturjahr hat man dann einen Startvorsprung. Die Pflanze blüht früher und trägt zumeist mehr Früchte als im ersten Kulturjahr.
Für die Überwinterung sollten alle Früchte entfernt und die Äste um 5-10cm gekürzt werden. So steckt die Pflanze ihre Energie in neue Triebe. Wer mag kann problemlos auch deutlich mehr von der Pflanze wegschneiden. Ein bis zwei Knoten sollten aber stehen bleiben.
Ein kühler, aber frostfreier und heller Standort, beispielsweise in einem Treppenhaus am Fenster bietet sich für die Überwinterung an. Gegossen werden braucht sie in dieser Phase nur sehr sparsam. Etwa im Februar kann wieder regelmäßiger gegossen werden und idealerweise wird die Pflanze in frische Erde getopft.

Bei vielen Sorten ist nach dem zweiten, spätestens aber nach dem dritten Jahr Schluss mit der Fülle an Früchten. Dann lohnt es sich doch wieder neue Pflanzen auszusäen. Es gibt aber auch Profi-Chili-Züchter die Pflanzen kultivieren, die bereits 35 Jahre alt sind.

Alternativ zur Aussaat ab Ende Februar / Anfang März ist das Schneiden von Stecklingen der älteren Pflanze. Die Stecklinge werden bis auf die oberen Blattpaare gesäubert und in ein Gefäß mit Wasser gestellt. Bei 15°C bis 25°C und einer hohen Luftfeuchtigkeit bilden sich nach einigen Wochen, teilweise auch erst nach einigen Monaten, neue Wurzeln. Da nicht alle Stecklinge Wurzeln bilden, sollten gleich mehrere Stecklinge geschnitten werden. Diese Methode ist eher etwas für die geduldige Fraktion.

TIPP:
Keimprobe
Wer noch Saatgutreste herumliegen hat und diese endlich in die Erde bringen möchte, sollte vorerst eine Keimprobe machen. Der Januar eignet sich dafür sehr gut. So ist sichergestellt, dass das Saatgut noch in Ordnung ist und noch genug Zeit für eine Neubeschaffung ist falls das Saatgut nicht mehr keimen sollte. Dafür einfach ein paar Samen einbuddeln und schauen ob die Pflanze keimt.

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17.01.2021, Janina Haupt

Ein Gedanke zu „Chili

  1. ViMei Antworten

    Dass Chili scharf ist wusste ich schon 😀 aber nicht, dass Chili einen Schmerzreiz auslöst. Sehr interessant! Danke für den Artikel!

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